Schmerzen nach KTEP

Anhaltende oder dauerhafte Schmerzen nach einer Knieprothese (Knie-TEP) müssen Sie nicht hinnehmen!

Gerade im Bereich des Kniegelenks sind bei vielen PatientInnen auch nach einem Gelenkersatz die Beschwerden teilweise lang anhaltend. Diese können z.B. beim Treppensteigen oder auch Nachts auftreten.

Probleme mit dem Implantat selbst sind nicht so häufig. Diese treten z.B. dann auf, wenn das Einwachsen der Prothese in den Knochen nicht optimal funktioniert. In Punkto Abrieb der Prothese wissen wir heute, dass der Verschleiß einer Kniegelenksprothese in der Regel nicht der limitierende Faktor ist und sehr selten auftritt. Dies sicherlich zum einen aufgrund der Material-Weiterentwicklungen, aber auch wegen der neuen oder angepassten Prothesendesigns.

Infektionen, Instabilitäten und eine Fehlpositionierung der Implantate sind jedoch nur in seltenen Fällen ursächlich.

Nach sorgfältiger Diagnostik und Abwägung der Vor- und Nachteile ist in ca. 1/3 der Fälle eine erneute Operation sinnvoll und notwendig.

Es gibt eine Vielzahl von möglichen Ursachen, die jedoch teilweise sehr einfach und gut zu therapieren sind.

Oftmals liegt die Ursache für die Schmerzen nicht direkt im Gelenk selbst. Hier sind z.B. eine Schwäche der Kniestrecker-Muskulatur, eine Irritation eines kräftigen Bandes, eine Sehnenansatzentzündung oder eine Schleimbeutelentzündung als mögliche Ursache zu nennen.

Ein weiterer Anteil sind die „projizierten Knieschmerzen“, also ausstrahlend von einer anderen Region. So weiß man, dass auch eine moderate Hüftarthrose relevante ausstrahlende Schmerzen am Kniegelenk verursachen kann. Auch ein ausstrahlender Nervenschmerz aus dem Rücken kann im Einzelfall isolierte Knieschmerzen auslösen.

Was sollten Sie konkret tun, falls Sie mit Ihrer Knieprothese nicht gut zurecht kommen?

Zunächst sollten Sie Ihren Operateur auf die Problematik ansprechen. Falls dies zu keiner guten Lösung führt, suchen Sie einen Experten für Gelenkersatz auf. In der Regel ist dies ein(e) operativ tätige(r) Orthopäde(in). Diese(r) sollte jedoch Operateur in einem offiziell zertifizierten Endoprothesenzentrum sein.

Wie lange können Schmerzen nach einer Knie-TEP auftreten?

Das Einsetzen eines “neuen Kniegelenks” stellt einen großen orthopädischen Eingriff dar. Starke Schmerzmedikamente können heutzutage schon wenige Tage nach der Operation abgesetzt werden. Die normale Zeitdauer einer moderaten oder geringen Schmerzmedikation sind in der Regel 3 bis 4 Wochen. Allerdings gibt es weiterhin einen relevanten Anteil von PatientInnen, die deutlich länger Beschwerden nach einer Knie-TEP haben. Dies liegt sicherlich auch daran, dass sich alle Strukturen am Kniegelenk an die neue anatomische Situation erst anpassen müssen.

Aus Studien weiß man, dass die Dauer und die Schmerzintensität vor der Operation einen entscheidenden Einfluss auf die postoperativen Schmerzen haben. Auch das Schmerzempfinden der PatientInnen unterscheidet sich teilweise erheblich. Während die einen Patienten wenige Tage nach der Operation schon sehr gut zurechtkommen, sind andere noch erheblich eingeschränkt durch die Schmerzen.

Welche Ursachen kann der Schmerz haben?

Schmerzen an der Innenseite des Kniegelenks deuten beispielsweise auf eine erhöhte Bandspannung nach der Operation hin. Diese kann durch die Korrektur der Beinachse entstehen, was bei einer Arthrose an der Innenseite des Kniegelenks fast immer notwendig ist und zu einer erhöhten Spannung des Innenband-Apparates führt. Hält der Schmerz länger als 2 Wochen nach der OP an, sollte hier eine entsprechende Untersuchung und Abklärung erfolgen. Gegebenenfalls müssen dann die Physiotherapie und die weiteren Behandlungen entsprechend angepasst werden.

Auch im Ruhezustand kann es im Bereich des Bandapparates, insbesondere an der Innenseite des Kniegelenks zu Schmerzen kommen. Dies liegt an der leicht entzündlichen Reizung des Bandapparates. Durch die neue Achsausrichtung kommt es zu einem vermehrten Zug an den Bändern. Hier entstehen kleine Mikro-Risse, die wiederum eine Entzündungsreaktion hervorrufen. Das ist ein völlig normaler Prozess des Körpers im Rahmen der Heilungsphase. Somit können auch in Ruhe und insbesondere auch Nachts Beschwerden auftreten.

Welche Beschwerden können nach einer Knie-TEP noch auftreten?

Nach einer Knie-TEP kann es zu einer relevanten Schwellung und Hämatombildung im Bereich des Gelenkes kommen, aber auch weiter distal (also körperfern) hiervon, z.B. im Bereich des Unterschenkels oder des Sprunggelenks. Um dem vorzubeugen, verwenden wir spezielle Kompressionsstrümpfe, die für die postoperative Rehabilitationsphase entwickelt wurden. Ansonsten helfen Lymphdrainage und eine Hochlagerung die Schwellung und das dann oftmals vorhandene Lymphödem zu reduzieren.

Arthrofibrose nach Knie-TEP

Die Arthofibrose-Erkrankung ist oftmals nicht leicht von einem normalen Verlauf nach der Operation zu unterscheiden. Dies kommt daher, dass Schmerzen, eine Schwellung und eine Bewegungseinschränkung bei den allermeisten Patienten in einer gewisser Ausprägung vorhanden sind. Auch stärker Schmerzen, die ein längerfristige Anwendung von Schmerzmedikamenten notwendig machen sind nicht ganz selten.

Bei der Arthrofibrose kommt es letztendlich zu einer Heilungsstörung, bei der sich vermehrt Bindegewebe bildet. Mann könnte auch sagen, es besteht eine Ungleichgewicht bei der physiologischen Heilung mit einem vermehrten Aufbau von fibrotischen festem "Narben-Gewebe" und zu geringem Abbau von diesem.

Es gibt einige Kriterien, die erfahrene Operateure, Orthopäden oder Reha-Mediziner/innen an eine mögliche Arthrofibrose-Erkrankung denken lassen: 

  • "Schraubstockgefühl" im operierten Kniegelenk
  • ungewöhnliche hohe Schmerzhaftigkeit im postoperative Verlauf
  • "irgendetwas stimmt mit meinem Knie nicht"
  • "je mehr ich übe, desto schlechter wird es eigentlich" !!!
  • Kniescheiben-Immobilität
  • Kniebeugung < 90°

Die Diagnosestellung ist deshalb so wichtig, das sich die Behandlung grundlegende unterscheidet. Diese sind vor allem passiv und indirekt ohne Schmerzen zu verursachen.

Therapiemöglichkeiten: 

  • sehr wichtig ist die Aufklärung des Patienten über die Erkrankung, die in der Regel schicksalshaft auftritt
  • keine gewaltsame Gelenkmobilisation!
  • keine Beübung in den Schmerz!
  • passive Weichteiltechniken, wie manuelle Therapie, ggf. Lymphdrainage, etc.
  • ggf. Cortison-Medikation
  • ausreichende Schmerzmedikation
  • ggf. Kinesiotaping
  • Entspannungsverfahren
  • etc.

Das Franzosenmodell

Eine Gruppe Orthopäden entwickelte 2020 in Frankreich eine Modell mit dem sie über 90% der schmerzhafte Knieendoprothesen aufklären und behandeln konnten.

Es gliedert die Ursachen in 3 Gruppen

  1. periartikuläre Schmerzen (Schmerzursache um das Knie herum) ca. 30%
  • Quadricepssehnenschwäche
  • iliotibiales Bandsyndrom
  • Pes-anserinus-Syndrom
  • Bursitis präpatellaris (Schleimbeutelentzündung)

--> die genaue Ursache kann hier oftmals durch eine Testinfiltration gefunden werden und mittels gezielter Physiotherapie fast immer deutlich gebressert werden.

     2. Implantatbedingt

  • Implantatlockerung ca. 20%
  • Abrieb ca. 8%
  • Infektion ca. 5%
  • Instabilitäten ca. 3%
  • schlechte Platzierung des Implantates ca. 2%

--> hier ist fast immer eine operative Revision, d.h. eine erneute Operation die einzige Möglichkeit die Ursache der Beschwerden erfolgreich zu behandeln.

     3. projizierte Knieschmerzen (Ursache der Schmerzen außerhalb des Kniegelenks           ca. 19%)

  • Lumboischialgie (Beinschmerzen ausstrahlend vom Rücken, ohne und mit Rückenschmerzen möglich!)
  • Coxarthrose (Arthrose im Hüftgelenk)

--> Behandlung der Ursache zunächst konservativ, ggf. bei stark ausgeprägtem Befund auch selten operativ

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