Aus dem aktuellen Podcast "Hüfterkrankungen im Erwachsenenalter"

Hüftschmerzen bei Erwachsenen – Ursachen, Symptome und moderne Therapieoptionen

Hüftschmerzen gehören zu den häufigsten orthopädischen Beschwerden im Erwachsenenalter. Sie können sportlich bedingt sein, durch Verschleiß entstehen oder Folge einer Verletzung sein. Doch nicht jeder Schmerz im Gesäß oder unteren Rücken kommt tatsächlich aus dem Hüftgelenk.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Hüftprobleme frühzeitig erkannt werden, welche Ursachen häufig sind und welche konservativen wie operativen Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen.

Wo sitzt das Hüftgelenk eigentlich?

Viele Patientinnen und Patienten sind überrascht, wenn sie erfahren, dass sich das eigentliche Hüftgelenk tief in der vorderen Leistenregion befindet.

Typische Schmerzen bei Hüftgelenkserkrankungen treten daher vor allem auf:

  • in der Leiste
  • an der seitlichen Hüfte
  • gelegentlich ausstrahlend in den Oberschenkel

Schmerzen im Gesäß sind dagegen häufig Folge von Problemen der Lendenwirbelsäule oder einer Reizung des Ischiasnervs.

Frühzeichen von Hüftproblemen

Typische Symptome einer beginnenden Hüfterkrankung sind:

  • Belastungsabhängige Leistenschmerzen
  • Schmerzen nach längerer Aktivität
  • Anlaufschmerz nach dem Aufstehen (morgens oder nach längerem Sitzen)
  • Bewegungseinschränkungen
  • beginnendes, oft unbemerktes Hinken

Der sogenannte Anlaufschmerz entsteht durch entzündliche Reaktionen im Gelenk und ist ein klassisches Frühzeichen einer Hüftarthrose.

Häufige Ursachen für Hüftschmerzen

1. Sportverletzungen und Überlastung (jüngere Patienten)

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen stehen häufig sportbedingte Beschwerden im Vordergrund. Besonders Sportarten mit schnellen Richtungswechseln und Rotationsbewegungen (z. B. Fußball) erhöhen das Risiko.

Typische Ursachen:

  • Sehnenreizungen (z. B. Adduktoren)
  • Hüftbeugerprobleme
  • Labrumverletzungen (Riss der Gelenklippe)
  • muskuläre Dysbalancen

2. Hüftimpingement (FAI)

Das sogenannte Hüftimpingement beschreibt ein mechanisches „Anschlagen“ zwischen Hüftkopf und Pfanne. Ursache ist meist eine anatomische Formveränderung.

Typische Symptome:

  • Belastungsabhängige Leistenschmerzen
  • Schmerzen bei Drehbewegungen
  • eingeschränkte Beweglichkeit

Unbehandelt kann ein Impingement langfristig eine Hüftarthrose begünstigen.

3. Hüftarthrose (Coxarthrose)

Ab dem 50. Lebensjahr steht die Hüftarthrose im Vordergrund. Dabei handelt es sich um eine degenerativ-entzündliche Gelenkerkrankung (englisch: Osteoarthritis).

Typischer Verlauf:

  1. Anfangs nur Schmerzen bei stärkerer Belastung
  2. Später Beschwerden im Alltag
  3. Anlaufschmerz
  4. zunehmende Bewegungseinschränkung
  5. nächtliche Schmerzen bei entzündlicher Aktivität

Viele Patientinnen und Patienten steigen im Verlauf auf das Fahrrad um, da zyklische, gleichmäßige Bewegung oft gut vertragen wird.

Kann man einer Hüftarthrose vorbeugen?

Ein einzelnes „Wundermittel“ gibt es leider nicht. Entscheidend ist ein gesunder Lebensstil:

  • regelmäßige Bewegung und Muskeltraining
  • normales Körpergewicht
  • überwiegend pflanzenbasierte Ernährung
  • Verzicht auf Nikotin
  • maßvoller Umgang mit Alkohol

Insbesondere Übergewicht erhöht die entzündliche Aktivität im Körper und belastet das Hüftgelenk zusätzlich.

Konservative Therapie bei Hüftarthrose

Die Basis jeder Behandlung ist die konservativ-funktionelle Therapie.

Dazu gehören:

  • gezielte Physiotherapie
  • Muskelkräftigung
  • Faszientherapie
  • gelenkschonende Bewegung (z. B. Fahrrad, Ergometer)
  • entzündungshemmende Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Diclofenac)
  • Injektionstherapien (Cortison, Hyaluronsäure, PRP)

Wichtig: Keine konservative Maßnahme kann eine Arthrose heilen – sie wirkt symptomlindernd.

Operative Therapie: Wann ist eine Hüft-OP sinnvoll?

Ein künstliches Hüftgelenk (Hüftprothese) sollte in Betracht gezogen werden, wenn:

  • deutliche Einschränkungen im Alltag bestehen
  • konservative Therapien nicht mehr ausreichend helfen
  • die Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist

Moderne Hüftprothese – heute deutlich schonender

Die Hüftendoprothetik hat sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt:

  • OP-Dauer meist unter einer Stunde
  • geringer Blutverlust
  • frühe Mobilisation am OP-Tag
  • kurze Krankenhausaufenthalte

Registerdaten zeigen, dass über 70 % der Hüftprothesen nach 20 Jahren noch voll funktionsfähig sind – moderne Implantate versprechen weitere Verbesserungen.

Schenkelhalsfraktur im Alter

Im höheren Lebensalter treten häufig Schenkelhalsfrakturen auf – meist infolge eines Sturzes bei bestehender Osteoporose.

Risikofaktoren:

  • verminderte Knochendichte
  • Sturzneigung
  • Muskelschwäche

Eine Knochendichtemessung gehört zur Standarddiagnostik. Ziel ist es, weitere Frakturen zu vermeiden.

Die operative Versorgung erfolgt entweder durch:

  • Schrauben oder Marknägel
  • oder eine Hüftprothese (bei komplexeren Brüchen)

Vorteil der Prothese: sofortige Vollbelastbarkeit und schnelle Mobilisation.

Hüfte oder Wirbelsäule – wo liegt die Ursache?

Nicht selten strahlen Beschwerden der Lendenwirbelsäule in die Hüfte aus.

Eine sorgfältige Anamnese, klinische Untersuchung und ggf. eine diagnostische Testspritze helfen, die Ursache klar zu identifizieren.

In etwa 90 % der Fälle lässt sich die Schmerzursache eindeutig zuordnen.

Rolle von Muskeln, Sehnen und Faszien

Das Hüftgelenk ist das zentrale Verbindungsglied zwischen Ober- und Unterkörper.

Muskuläre Dysbalancen, verkürzte Strukturen oder Sehnenreizungen können sowohl Ursache als auch Folge einer Hüfterkrankung sein. Eine gezielte Therapie dieser Strukturen ist daher essenziell.

Genetische Faktoren

Es gibt kein einzelnes „Arthrose-Gen“. Vielmehr erhöhen bestimmte genetische Varianten das Risiko für:

  • ungünstige Hüftform
  • schnelleren Knorpelabbau
  • erhöhte Entzündungsneigung

In Kombination mit Lebensstilfaktoren kann sich daraus eine Arthrose entwickeln.

Fazit

Hüftschmerzen sind häufig, aber gut behandelbar. Entscheidend ist eine präzise Diagnose und ein individuell angepasstes Therapiekonzept.

Je früher Beschwerden erkannt werden, desto besser lassen sich langfristige Schäden vermeiden.

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