
Das Hüftgelenk spielt bereits im Kindesalter eine entscheidende Rolle für die gesunde Entwicklung des gesamten Bewegungsapparates. Angeborene oder erworbene Hüfterkrankungen können unbehandelt langfristige Folgen haben – werden sie jedoch frühzeitig erkannt, sind die Prognosen in den meisten Fällen sehr gut.
In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Hüfterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen besonders häufig sind, wie sie diagnostiziert werden und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen.
Die Hüftdysplasie ist die häufigste angeborene Skelettfehlbildung bei Neugeborenen. Dabei handelt es sich um eine Reifungsstörung des Hüftgelenks:
Im schlimmsten Fall kann der Hüftkopf teilweise oder vollständig aus der Pfanne rutschen (Hüftluxation).
Unbehandelt drohen Fehlbelastungen, frühzeitiger Knorpelverschleiß und eine spätere Arthrose. Entscheidend ist jedoch: Die Säuglingshüfte ist formbar. Wird die Dysplasie früh erkannt, kann sich das Gelenk in den meisten Fällen vollständig normal entwickeln.
In Deutschland ist die Hüftsonographie nach Graf fester Bestandteil der U3-Untersuchung (4.–6. Lebenswoche).
Die Untersuchung ist:
Anhand zweier Winkel wird die Hüfte in verschiedene Typen eingeteilt – von normal entwickelt (Typ I) bis behandlungsbedürftig (Typ II–IV).
Es gibt nicht die eine Ursache. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen:
Mädchen sind zwei- bis viermal häufiger betroffen als Jungen.
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad:
Dank des Screenings sind schwere Verläufe heute selten geworden.
Der sogenannte Hüftschnupfen ist die häufigste Ursache für akute Hüftschmerzen bei Kindern zwischen 3 und 10 Jahren.
Typische Symptome:
Die Entzündung der Gelenkschleimhaut heilt in der Regel folgenlos aus. Wichtig ist jedoch die sichere Abgrenzung zu ernsteren Erkrankungen wie einer bakteriellen Hüftentzündung.
Der Morbus Perthes tritt meist zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr auf, Jungen sind deutlich häufiger betroffen.
Hierbei kommt es zu einer Durchblutungsstörung des Hüftkopfes mit anschließendem Knochenabbau und späterem Wiederaufbau.
Typisch ist ein schleichender Verlauf:
Ziel ist die bestmögliche Form des Hüftkopfes:
Die Heilung kann mehrere Jahre dauern. Etwa 50 % der Betroffenen entwickeln im Erwachsenenalter relevante Beschwerden.
Die Epiphysiolysis capitis femoris tritt in der Pubertät auf:
In der Wachstumsphase kann die empfindliche Wachstumsfuge unter Belastung nachgeben, sodass der Hüftkopf abrutscht.
Langfristig sind 80–90 % der Patienten aktiv und weitgehend beschwerdefrei. 10–20 % entwickeln jedoch spätere Folgeschäden.
Eine Innendrehung der Füße oder Knie ist im Kindesalter häufig und meist harmlos.
In den meisten Fällen normalisiert sich die Situation bis zur Pubertät von selbst.
Abklärungsbedürftig ist sie, wenn:
In rund 90 % der Fälle ist jedoch Geduld die richtige Strategie.
Bei bestehenden Hüftproblemen sollten Sportarten mit:
nur eingeschränkt betrieben werden.
Dazu zählen z. B.:
Gelenkschonender sind:
Abwechslung ist grundsätzlich wichtig für eine gesunde Entwicklung.
Eine seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung mit:
Hier ist eine sofortige ärztliche Behandlung erforderlich.
Typisch im Alter von 10–13 Jahren:
Diese sind in der Regel harmlos.
Die meisten Hüfterkrankungen im Kindes- und Jugendalter lassen sich bei frühzeitiger Diagnose sehr gut behandeln.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, aufmerksame Eltern und eine gezielte kinderorthopädische Abklärung bei Auffälligkeiten sind entscheidend für eine gesunde Entwicklung.
Bewegung, Muskelkräftigung und ein gesundes Körpergewicht unterstützen die Hüftgesundheit zusätzlich – im Kindesalter ebenso wie im Erwachsenenleben.