Aus dem aktuellen Podcast: Das Hüftgelenk – Wegweiser für Kinder und Jugendliche

Hüftdysplasie, Hüftschnupfen & Co. frühzeitig erkennen und richtig behandeln

Das Hüftgelenk spielt bereits im Kindesalter eine entscheidende Rolle für die gesunde Entwicklung des gesamten Bewegungsapparates. Angeborene oder erworbene Hüfterkrankungen können unbehandelt langfristige Folgen haben – werden sie jedoch frühzeitig erkannt, sind die Prognosen in den meisten Fällen sehr gut.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Hüfterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen besonders häufig sind, wie sie diagnostiziert werden und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen.

Hüftdysplasie – die häufigste angeborene Hüfterkrankung

Was ist eine Hüftdysplasie?

Die Hüftdysplasie ist die häufigste angeborene Skelettfehlbildung bei Neugeborenen. Dabei handelt es sich um eine Reifungsstörung des Hüftgelenks:

  • Die Hüftpfanne ist zu steil oder nicht tief genug ausgebildet.
  • Der Hüftkopf wird nicht ausreichend überdacht.
  • Die Stabilität des Gelenks ist eingeschränkt.

Im schlimmsten Fall kann der Hüftkopf teilweise oder vollständig aus der Pfanne rutschen (Hüftluxation).

Unbehandelt drohen Fehlbelastungen, frühzeitiger Knorpelverschleiß und eine spätere Arthrose. Entscheidend ist jedoch: Die Säuglingshüfte ist formbar. Wird die Dysplasie früh erkannt, kann sich das Gelenk in den meisten Fällen vollständig normal entwickeln.

Warum wird die Hüfte im Rahmen der U3 untersucht?

In Deutschland ist die Hüftsonographie nach Graf fester Bestandteil der U3-Untersuchung (4.–6. Lebenswoche).

Die Untersuchung ist:

  • schmerzfrei
  • ohne Strahlenbelastung
  • sofort auswertbar

Anhand zweier Winkel wird die Hüfte in verschiedene Typen eingeteilt – von normal entwickelt (Typ I) bis behandlungsbedürftig (Typ II–IV).

Ursachen der Hüftdysplasie

Es gibt nicht die eine Ursache. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen:

  • genetische Veranlagung
  • Beckenendlage
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Platzmangel im Mutterleib
  • hormonelle Einflüsse
  • ungünstige Lagerung nach der Geburt

Mädchen sind zwei- bis viermal häufiger betroffen als Jungen.

Behandlung der Hüftdysplasie

Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad:

  • Leichte Formen: Verlaufskontrolle
  • Milde Dysplasie: breites Wickeln
  • Deutliche Instabilität: Spreizhosen-Orthese (24 Stunden täglich)
  • Schwere Formen: selten operative Therapie im Säuglingsalter

Dank des Screenings sind schwere Verläufe heute selten geworden.

Hüftschnupfen (Coxitis fugax) – plötzliches Hinken bei Kindern

Der sogenannte Hüftschnupfen ist die häufigste Ursache für akute Hüftschmerzen bei Kindern zwischen 3 und 10 Jahren.

Typische Symptome:

  • plötzlich auftretende Leistenschmerzen
  • Hinken
  • eingeschränkte Belastbarkeit
  • oft vorangegangener viraler Infekt

Die Entzündung der Gelenkschleimhaut heilt in der Regel folgenlos aus. Wichtig ist jedoch die sichere Abgrenzung zu ernsteren Erkrankungen wie einer bakteriellen Hüftentzündung.

Morbus Perthes – Durchblutungsstörung des Hüftkopfes

Der Morbus Perthes tritt meist zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr auf, Jungen sind deutlich häufiger betroffen.

Hierbei kommt es zu einer Durchblutungsstörung des Hüftkopfes mit anschließendem Knochenabbau und späterem Wiederaufbau.

Typisch ist ein schleichender Verlauf:

  • wiederkehrende Hüft- oder Knieschmerzen
  • Hinken
  • eingeschränkte Beweglichkeit

Behandlung

Ziel ist die bestmögliche Form des Hüftkopfes:

  • Physiotherapie
  • Entlastung
  • Vermeidung von Stoßbelastungen
  • ggf. operative Korrektur bei schweren Verläufen

Die Heilung kann mehrere Jahre dauern. Etwa 50 % der Betroffenen entwickeln im Erwachsenenalter relevante Beschwerden.

Epiphysiolysis capitis femoris – Abrutschen des Hüftkopfes

Die Epiphysiolysis capitis femoris tritt in der Pubertät auf:

  • Mädchen: 10–13 Jahre
  • Jungen: 12–15 Jahre

In der Wachstumsphase kann die empfindliche Wachstumsfuge unter Belastung nachgeben, sodass der Hüftkopf abrutscht.

Symptome

  • Hüft- oder Knieschmerzen
  • Hinken
  • zunehmende Bewegungseinschränkung

Prognose

Langfristig sind 80–90 % der Patienten aktiv und weitgehend beschwerdefrei. 10–20 % entwickeln jedoch spätere Folgeschäden.

Innendrehung beim Gehen – wann sollten Eltern reagieren?

Eine Innendrehung der Füße oder Knie ist im Kindesalter häufig und meist harmlos.

In den meisten Fällen normalisiert sich die Situation bis zur Pubertät von selbst.

Abklärungsbedürftig ist sie, wenn:

  • nur eine Seite betroffen ist
  • Schmerzen bestehen
  • eine rasche Verschlechterung auftritt
  • das Kind deutlich hinkt oder schnell ermüdet

In rund 90 % der Fälle ist jedoch Geduld die richtige Strategie.

Sport bei Hüfterkrankungen – was ist erlaubt?

Bei bestehenden Hüftproblemen sollten Sportarten mit:

  • hoher Stoßbelastung
  • schnellen Drehbewegungen
  • Stop-and-Go-Bewegungen
  • extremer Hüftbeugung

nur eingeschränkt betrieben werden.

Dazu zählen z. B.:

  • Fußball
  • Basketball
  • Handball
  • Leichtathletik
  • Ballett
  • Kampfsport

Gelenkschonender sind:

  • Schwimmen
  • Radfahren
  • Wandern

Abwechslung ist grundsätzlich wichtig für eine gesunde Entwicklung.

Weitere wichtige Hüfterkrankungen

Septische Arthritis (bakterielle Hüftentzündung)

Eine seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung mit:

  • hohem Fieber
  • starken Schmerzen
  • Unfähigkeit, das Bein zu belasten
  • deutlich krankem Allgemeinzustand

Hier ist eine sofortige ärztliche Behandlung erforderlich.

Wachstumsschmerzen

Typisch im Alter von 10–13 Jahren:

  • nächtliche Schmerzen
  • tagsüber beschwerdefrei
  • meist im Oberschenkel lokalisiert

Diese sind in der Regel harmlos.

Fazit: Früh erkennen – langfristig profitieren

Die meisten Hüfterkrankungen im Kindes- und Jugendalter lassen sich bei frühzeitiger Diagnose sehr gut behandeln.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, aufmerksame Eltern und eine gezielte kinderorthopädische Abklärung bei Auffälligkeiten sind entscheidend für eine gesunde Entwicklung.

Bewegung, Muskelkräftigung und ein gesundes Körpergewicht unterstützen die Hüftgesundheit zusätzlich – im Kindesalter ebenso wie im Erwachsenenleben.

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